Liebe Hundefreunde,

warum auch immer - in den letzten Wochen erreichten mich vermehrt Anfragen von Hundebesitzern, deren Hunde Probleme mit dem Autofahren haben. Ein Hund in einem Nachbarort ist tödlich überfahren worden, weil er unerwartet bei geöffnetem Kofferraum in den Verkehr gesprungen ist. Das letzte ist tragisch, das erste Problem für Mensch und Hund unangenehm und kann auch unerträglich werden. Darum schreib ich heute mal über das Autofahren mit Hund.

Jede Autofahrt sollte so beginnen, dass der Hund erst auf Ihr Zeichen hin in das Auto hineinspringen darf. Auch aussteigen sollte er erst nach Ihrer Erlaubnis. Hierbei ist es wichtig, dass Sie zuerst die Autotür öffnen, einige Sekunden warten und dem Hund dann erst das Zeichen zum Ein- oder Aussteigen geben. Trainieren Sie auch, dass er länger bei geöffneter Autotür ungesichert im Auto liegen oder sitzen bleibt. Am besten trainiert man dies zu Hause, wenn man den Einkauf aus dem Auto räumt oder Gartenarbeit macht. Mit ein wenig Training können Sie sich bald darauf verlassen, dass Ihr Hund Ihnen nicht unerwartet in den Verkehr springt oder aus dem Auto hopst, um einen Passanten anzuspringen.

Laut Straßenverkehrsordnung muss jeder Hund im Auto gesichert werden. Dies könnte mit einem Sicherheitsgurt für Hunde oder durch den Transport in einer geschlossenen Hundebox geschehen. Vor allem für junge Hunde ist eine Box die beste Alternative. Der Welpe kann nichts annagen, er wird nicht hin und her geschleudert und die meisten Hunde fühlen sich in einer geschlossenen Box wohl.

Lassen Sie den Hund lieber nicht im Fußraum mitfahren, wenn Sie eine Klimaanlage oder Heizung nutzen. Es besteht die Gefahr, dass er durch den ständigen Luftzug eine Bindehautentzündung oder – bei längerer, starker Kühlung – sogar eine Erkältung bekommt.

Trainieren Sie schon von Welpenbeinen an, dass Ihr Hund auch einige Zeit allein im Auto bleibt. In einer Box kann er auch während der Wartezeit nichts kaputt machen. Verlängern Sie die Zeitspanne langsam und stetig. Lassen Sie ihn ruhig mitfahren, wenn Sie nur kurze Besorgungen machen müssen, so ist er nicht zu lange allein und erfährt auf jedem Ausflug mehrmals, dass Sie fortgehen und bald wiederkommen. Das beruhigt jeden Hund und langweilt ihn sogar auf Dauer, so dass die meisten Hunde nach einer Weile noch nicht einmal mehr aufschauen, wenn man zurückkommt.

Falls Ihr Hund ein wahres Indianergeheul während Ihrer Abwesenheit veranstaltet, sollten Sie auf keinen Fall zum Auto zurückgehen, ehe er nicht wenigstens einige Sekunden still ist. Sonst würde er lernen: Ich muss nur lange genug bellen, dann kommt mein Mensch zurück.

Wenn Sie eine Autofähre benutzen, sollten Sie damit rechnen, dass der Hund eventuell im Auto bleiben muss. Stellen Sie ihm (falls die Überfahrt länger dauern sollte) einen Wassernapf in erreichbare Nähe. Denken Sie daran, dass er wahrscheinlich unter Stress leiden wird und hierdurch vermehrt hechelt, sodass er trinken muss. Am besten erkundigen Sie sich vor Antritt der Reise nach den Beförderungsregeln, damit Sie und Ihr Hund keine unangenehmen Überraschungen erleben.

Wasser sollte unser Hund auch ständig während der Fahrt zur Verfügung haben, wenn Sie im Hochsommer reisen und es sehr heiß ist. Hunde „schwitzen“ über das Hecheln mit der Zunge. Hierbei verdunstet Körperflüssigkeit, damit der Körper nicht überhitzt. Diese Flüssigkeit muss der Hund so schnell wie möglich wieder aufnehmen, sonst droht ein Hitzschlag.

Getönte Scheiben und Sonnenschutznetze für die Fenster verhindern vor allem im Sommer und in südlichen Ländern sehr effektiv, dass sich das Auto zu schnell aufheizt. Eine gute Hilfe können auch Abstandhalter sein, die man an der hinteren Klappe anbringt. So bleibt die Klappe einen Spalt breit geöffnet, aber man kann den Wagen abschließen.

Legen Sie während der Fahrt auch dem Hund zuliebe regelmäßige Pausen ein. Lassen Sie ihn während des Auslaufs aber auf jeden Fall angeleint, vor allem an Autobahnraststätten. Der zuverlässigste Hund könnte sich durch eine Ablenkung verleiten lassen und vor ein Auto laufen. Für den Notfall ist es jetzt sehr wichtig, dass ein Adressanhänger am Halsband hängt.

Leidet Ihr Hund unter Übelkeit beim Autofahren, sollten Sie ihn vor längeren Fahrten auf jeden Fall durch kurze Fahrten an die bevorstehende Reise gewöhnen. Manchmal helfen Tabletten gegen Reisekrankheit, manchmal aber leider auch nicht. Sie sollten sich nicht darauf verlassen. Es hat sich bewährt, den Hund nicht direkt auf der Hinterachse mitfahren zu lassen, ihn auf eine dicke, weiche Polsterung zu legen und ihn mindestens einen halben Tag lang vorher (besser noch länger) nicht zu füttern.

Ich hoffe, ich konnte Ihnen einige Anregungen und Tipps für Fahrten und Reisen mit dem Hunde geben. Vielleicht noch ein kleiner Tipp für Hundebesitzer, deren Hunde aus dem Auslandstierschutz kommen: Denken Sie daran, dass die lange und unangenehme Fahrt hierher diese Hunde (die ja zudem häufig wenig kennen gelernt haben in ihrem Leben) oft unglaublich in Stress versetzt und ihnen das Autofahren verleidet. Haben Sie Geduld und geben Sie auf keinen Fall auf, wenn Ihr Hund Probleme damit hat. Einfach zu Hause bleiben, ist eine schlechte Lösung.

Herzliche Grüße und einen schönen Herbst wünsch Ihnen

Ihre Martina Nau