Nach wie vor erfreuen sich Hunde aus den südlichen Ländern großer Beliebtheit, und das sehr häufig zu Recht. Sie sind oft nette Hausgenossen, die bereits in ihrem früheren Leben gelernt haben, sich den Gegebenheiten anzupassen. Das hat sich herumgesprochen und so ziehen immer wieder angehende Hundebesitzer in Erwägung, einen südländischen Hund zu adoptieren.

Manche entscheiden sich sogar während ihres Urlaubs, einen Hund nach Hause mitzunehmen. Dies hat einen Vorteil: Man kennt ihn schon ein wenig, konnte ihn beobachten und meint zumindest zu ahnen, ob man mit ihm zurechtkommt.

Doch Achtung: Im Urlaub ist alles himmelblau und rosarot. Die wenigsten Hunde geben sich in Deutschland bei ihren neuen Besitzern so, wie man sie am Urlaubsort kennen gelernt hat. Es ist wie mit einem menschlichen Partner: Die Stärken und Schwächen entdeckt man erst im gemeinsamen Alltagsleben. Das eigentliche Problem liegt darin, dass man sich häufig ein falsches Bild von diesen Hunden macht. Die meisten Hunde sind total überfordert mit den vielen Umwelteindrücken, die sie hier erwarten. Sie sind gestresst von der Fahrt, ohnehin häufig von sensiblem Charakter, scheu und ängstlich, und werden von einem Tag auf den anderen in eine komplett neue Welt geworfen. Es ist die Erwartungshaltung, die viele Menschen nach ihrer Rückkehr mit dem neuen Staatsbürger enttäuscht sein lässt. Manchmal ist er nicht stubenrein, er beherrscht kein Kommando, kennt nicht seinen Namen, vor allem immer dann nicht, wenn es ihm unangenehm ist, und vieles mehr.

Dagegen gibt es nur ein Mittel: Schrauben Sie Ihre Erwartungen an Ihr neues Familienmitglied herunter auf null. Alles was sie darüber hinaus bekommen, ist ein Geschenk des Hundes an Sie. Ab sofort liegt es vorrangig an Ihnen, etwas aus ihm zu machen. Daher sollten Sie sich dringend mit hündischer Kommunikation und Körpersprache auseinandersetzen.

Es gibt aber mehr zu bedenken, wenn Sie einfach so einen Hund aus dem Süden mitbringen. Viele Streuner besitzen – auch wenn es Ihnen nicht so scheint – ein Zuhause, Menschen, die darauf warten, dass ihr Hund pünktlich zum Abendessen zurückkommt. Oft geht es diesen Hunden aus ihrer Sicht heraus dort gar nicht schlecht. Sie genießen ihr Leben zwischen Sicherheit und Freiheit. Überlegen Sie es sich, ob Sie das Risiko eingehen möchten, einem Streuner dieses Leben zu nehmen, und wägen Sie realistisch ab, wie er bei Ihnen leben wird. Ist es wirklich besser, hier in Deutschland den Rest seines Lebens an der Schleppleine durch den Wald zu tapern statt ein selbst bestimmtes Leben im warmen, lockeren Süden zu führen? Überlegen Sie bitte auch, ob Sie einem Besitzer womöglich seinen Hund fortnehmen möchten.

Immer wieder geschieht es, dass mitleidige Urlauber eine Hündin mitnehmen, die gerade Welpen aufzieht. Sie haben keine Ahnung, wie eine solche Hündin aussieht. Sie sehen nur den übergroßen Hunger, der sie sogar ihre Angst vor Menschen überwinden und mit gierigen Augen betteln lässt. Wenn man dies aus Unwissenheit macht, haben die Welpen geringe bis gar keine Chancen zu überleben. Möchten Sie das riskieren? Denken Sie auch jetzt daran: Wenn Sie Tierschutz praktizieren wollen, dann konsequent. Es geht nicht nur darum, dass Sie sich gut fühlen. Alle müssen sich gut fühlen.

Sie sollten auch wissen, dass Sie keinen Hund einfach so nach Deutschland einführen dürfen. Auf Reisen innerhalb der EU benötigen Sie dazu einen europäischen Heimtierausweis, in dem persönliche Daten, Chipnummer und Impfungen eingetragen werden müssen. Fliegen Sie mit dem Flugzeug, wird das beim Einchecken kontrolliert. Sie kommen um den Besuch eines Tierarztes (und eventuell auch um eine Wartezeit auf den gültigen Impfschutz) nicht herum. Es ist nur vernünftig, und zwar in Ihrem, aber auch im Interesse des Hundes (möchten Sie, dass er in Quarantäne kommt?), hierauf zu achten, auch wenn Sie mit dem Pkw reisen. Führen Sie Hunde aus Ländern außerhalb der EU ein, gibt es teilweise weitergehende gesetzliche Bestimmungen. Bitte erkundigen Sie sich dringend vor der Rückreise nach Deutschland, unter welchen Bedingungen Sie Hunde aus Ihrem Urlaubsland ausführen und in Deutschland einführen dürfen.

Zuletzt sollten Sie durchaus überlegen, ob der von Ihnen aufgenommene Hund einer Rasse angehört oder ein Mischling einer Rasse ist, deren Einfuhr in Deutschland verboten oder deren Haltung hier mit Auflagen verbunden ist. Es gibt das „Bundesgesetz zur Bekämpfung gefährlicher Hunde“ und diverse Landeshundegesetze und -verordnungen. Diese verfügen unter anderem, dass Pitbull-Terrier, American-Staffordshire-Terrier, Staffordshire-Bullterrier und Bullterrier sowie Mischlinge, in denen eine dieser Rassen vermutet wird, nicht eingeführt werden dürfen. Zudem gibt es in den einzelnen Bundesländern weitergehende Listen, in denen Rassen aufgezählt werden, die nur bei Einhaltung bestimmter Auflagen gehalten werden dürfen. Die Auflagen bestehen im Allgemeinen aus einem erhöhten Hundesteuersatz, einer erweiterten Sachkundeprüfung, eventuellen Verhaltenstests, einem polizeilichen Führungszeugnis und einer sicheren Unterbringung auf Ihrem Privatgelände. All dies ist in Deutschland jedoch Ländersache.

Reisen Sie mit dem Pkw, passieren Sie außer Ihrem Urlaubsland womöglich andere Länder. Auch hier gibt es teilweise Rasselisten. Erkundigen Sie sich also sorgfältig, ob und inwieweit der von Ihnen ausgewählte Hund diesen Einschränkungen in Transitländern entspricht.

Zum Schluss noch ein guter Tipp: Wenn Sie über die Mitnahme eines Hundes aus einem Urlaubsland nachdenken, lassen Sie sich am besten von einem Tierarzt und einer seriösen Tierschutzorganisation helfen, auch wenn Sie glauben, alles zu wissen, was man wissen muss.

Wir wünschen allen Lesern einen schönen Urlaub und - egal wo Sie sind - nur positive Erlebnisse mit Menschen und Hunden!

Herzliche Grüße

Ihre Martina Nau
und das Baak-Dogwalker-Team

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