"Der einzige Mensch, der sich vernünftig benimmt, ist mein Schneider. Er nimmt jedes Mal neu Maß, wenn er mich trifft, während alle anderen immer die alten Maßstäbe anlegen in der Meinung, sie passten auch heute noch."

Das sagte George Bernhard Shaw vor langer Zeit. Dieser Satz gilt auch für unsere Hunde: für ihre Entwicklung und für unser Verhältnis zu ihnen. Denn genau wie wir Menschen durchleben unsere vierbeinigen Freunde im Laufe ihres Lebens unterschiedliche Entwicklungsphasen, in denen sie sich verändern. Häufig können wir den Veränderungen entgegensteuern, wenn sie nicht in unser gemeinsames Leben passen, manchmal müssen wir uns mit den neuen Verhaltensweisen oder Marotten abfinden. Das eine vom anderen zu unterscheiden - das macht einen guten Erzieher und Lebenspartner aus.

Wann aber stehen wir Menschen vor solch einer neuen Entwicklungs- oder Lebensphase unseres Hundes? Der Klassiker ist natürlich die Pubertät. Am Ende der Welpenzeit mit ca. 4-5 Monaten beginnt jeder Hund sich zu verselbständigen, der Folgetrieb lässt nach und die Lust an neuen Entdeckungen wächst. Plötzlich wird aus unserem liebenswerten Welpen ein Flegel, denn die hormonelle Umstellung verändert sein Verhalten auf dem Weg zum Erwachsenwerden. Wenn er dann erwachsen ist (und das hängt stark vom einzelnen Individuum ab), dann ist aus ihm wiederum ein neuer Hund geworden. Der Verstand sollte jedem von uns sagen, dass wir den gleichen Hund jeweils unterschiedlich behandeln und erziehen müssen - je nachdem ob er Welpe, Junghund oder Erwachsener ist.

Auch während einer Krankheit verändert sich unser Hund häufig. Das kann auf Grund veränderter Wahrnehmung oder Schmerzen sein oder nur deshalb, weil wir ihn (verständlicher Weise) häufig deutlich mehr verwöhnen als vorher. Dies kann durch Trösten geschehen, durch vermehrte Aufmerksamkeit oder weil er plötzlich Dinge darf (oder muss), die vorher verboten oder nicht angebracht waren. Haben Sie Ihren Hund während eines Kreuzbandrisses viel Aufmerksamkeit gegeben und fordert er diese neuerdings ständig ein, obwohl er wieder fit ist? Auch jetzt sollten Sie es wie der Schneider machen: neu Maß nehmen und tun, was zu tun ist.

Hunde aus dem Tierschutz unterliegen häufig den stärksten Veränderungen. Während man sie in den ersten Tagen noch so weit wie möglich in ihrem neuen Leben ankommen und in Ruhe lassen sollte, bemerkt man schon nach kurzer Zeit, dass sie nun Regeln lernen müssen, damit ein gemeinsames Leben bequem für beide wird. Viele Hunde, die so stark ihr Leben verändern, sind häufig anfangs sehr ängstlich und zurückhaltend, entwickeln sich nach ein paar Wochen jedoch oft zu selbstbewussten Vierbeinern, die geschickt ihre Ziele durchsetzen. Achtung, verpassen Sie nun den Absprung zu konsequenter Erziehung nicht. Nehmen Sie neu Maß!

Eine besondere Situation ergibt sich, wenn unsere Hunde, die wir seit vielen, vielen Jahren kennen wie keinen anderen Menschen, alt werden. Seien Sie mutig und nehmen noch einmal Ihr Maßband heraus. Gestehen Sie sich ein, dass Ihr langjähriger Begleiter nicht mehr gut sieht und hört, dass er nicht mehr so weit und schnell laufen kann oder möchte und nun auch mal stur sein darf. Es tut ihm unglaublich gut, wenn er bemerkt, dass Sie ihm plötzlich Dinge erlauben, die immer verboten waren und die die jüngeren Hunde noch immer nicht dürfen. Werden Sie nachsichtig mit dem Senior.

Wie schön, dass G.B. Shaw so einen vernünftigen Schneider hatte. Dieser hat ihn immer gut aussehen lassen und sicherlich hatte er stets ein gutes Gefühl in seinen neuen Anzügen. Und so macht es auch bei unseren Hunden Sinn, zwischendurch mal zu prüfen, ob der Anzug noch passt.

Herzliche Grüße
Ihre Martina Nau
und das Baak-Dogwalker-Team

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