Seit einigen Jahren kommen und gehen sie wie die Wellen des Meeres: Modeerscheinungen in der Hunde-Menschen-Welt. Sie überspülen uns und reißen uns oft auch mit.

Einige Hypes geraten schnell wieder in Vergessenheit, andere stabilisieren sich auf ein vernünftiges Niveau: Clickertraining, Barfen, Schilddrüsenerkrankungen, Geschirre, Erziehungsphilosophien.

Ich weiß noch genau, wie es war, als der Clicker in Deutschland Einzug hielt: aus einem anfänglich sehr hilfreichen und spannenden Hilfsmittel in der Hundeerziehung wurde in Nullkommanix ein Allheilmittel für Verhaltensprobleme, die beste Hilfe von allen beim Welpentraining und überhaupt der einzig faire, menschliche und tierschutzgerechte Weg, einen Hund zu erziehen. Den Unterschied zwischen Training und Erziehung ließ man gleich mal der Einfachheit halber unter den Tisch fallen - clickern war "in". Die meisten Dauerclickerer bemerkten bald, dass es so nicht gut ist, dass es oft auch so gar nicht funktioniert und diese Leute besannen sich auf die Ursprünge dieser phantastischen Trainingshilfe. Heute ist der Clicker (bis auf einige Ausnahmen) durchaus als nützliches Instrument anerkannt, aber nur noch wenige streiten ab, dass es auch ohne ihn geht. Mit sekundären Bestärkern arbeiten kann man auch, wenn man keinen Knackfrosch in der Hand hält.

Die Geschichten anderer Hypes sind teilweise haarsträubender und haben unseren Hunden manchmal auch geschadet. Wir Menschen neigen leider dazu, einen Hype gerne und ohne nachzudenken mitzumachen. Warum ist das so? Sicher spielt der Wunsch nach Abwechslung im Leben mit, aber auch das dringende Bedürfnis, immer auf dem Zenit des Modernen zu sein. Schneller-höher-weiter-besser als der Nachbar. Das gibt es ja auch in anderen Bereichen, aber in der Hundeszene trifft man oft auf eine Verbissenheit, die mich erstaunen lässt. Wer da nicht mitmacht, hat mindestens keine Ahnung, wenn er nicht sogar ein Tierquäler ist.

Auf welcher Modewelle befinden wir uns gerade? Denken Sie jetzt - in diesem Moment - auch darüber nach? Kühltücher, Kühlhalsbänder, Kühlmatten, Kühlwasweißichnoch sind derzeit sehr en vogue. Unbestreitbar, dass es einige Hunde und auch Einsatzgebiete gibt, in denen sie dem Hund die Gesundheit bewahren. Aber wenn die Hitze so groß ist, dass ich diese Dinge benötige, lasse ich meinen Hund - wenn möglich - zu Hause. Falls nicht möglich (was selten passiert) sind Kühlhalstuch und Matte kurzfristig sicherlich eine Alternative. Mit dem kleinen Mischlingshund aber (wie gestern gesehen!) bei 30 Grad Schattentemperatur eine Fahrradtour zu machen und den Hund im Hundeanhänger auf eine Kühlmatte zu legen - sorry, das entzieht sich meines Verständnisses.

Tatsächlich fallen mir noch drei andere derzeit unglaublich moderne Dinge ein, die ich aber nun absichtlich nicht erwähne, denn sonst stoße ich dem einen oder anderen vor den Kopf. Sie sind vollkommen überflüssig, trendy und nahezu jeder muss sie haben. Ich weiß, in einem Jahr redet keiner mehr über sie. Es fallen mir auch vier derzeit hochbeliebte Rassen ein, die meistens der Traum jener zukünftigen Hundebesitzer sind, die noch nie einen Hund hatten und für die nur diese eine (teilweise sehr schwierige und teure) Rasse in Frage kommt. Jeder erfahrene Hundebesitzer würde es sich drei Mal überlegen, ob er einen Hund dieser Rassen nimmt.

Was soll ich sagen? Meistens, wenn ich selbst von etwas Neuem augenblicklich vollkommen begeistert bin, bemerke ich schnell, dass ich mich gerade auf den Weg gemacht habe, einem Hype hinterher zu laufen. Und Sie? Ist es Ihnen nicht auch schon passiert, dass Sie sich hinterher selbst gehauen haben, weil Sie vorher ohne viel Nachdenken etwas nur deswegen gut fanden, weil alle es gut fanden? Wir sehen ja, es ist normal - aber auch vermeidbar.

Viele herzliche Grüße und einen schönen Monat August mit viel Sonne und Zeit für Ihre Hunde wünscht Ihnen
Martina Nau

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