Viele Fragen, die Hundebesitzer mir stellen, beziehen sich auf Probleme, die sie bei Stadtbesuchen mit ihren Hunden haben.

Eine einfache Antwort wäre: Lassen Sie Ihren Hund doch zu Hause. Aber das ist nicht das, was man sich wünscht, denn Hund und Mensch können sehr von Stadtbesuchen profitieren und sie mit ein wenig Training auch genießen.

Mangelnde Aufmerksamkeit bis hin zu Unansprechbarkeit ist eines der häufigsten und größten Probleme. Der Hund hat sehr viel Stress, scheint ganz verrückt, bellt jeder Taube und jedem Hund hinterher, zappelt herum, zeigt vielleicht sogar Reaktionen, die er sonst nie zeigt. Spricht man ihn an, erscheint die Ansage: „Ding-Deng-Dong. Es tut mir Leid, alle Leitungen sind belegt. Bitte versuchen Sie es später noch einmal.“
Halt! Was immer man in dieser Situation mit Vorliebe macht, ist häufig falsch. Je mehr wir auf diesen Hund mit besetzten Leitungen einreden, je mehr wir gestikulieren und uns bewegen, desto schlimmer wird sein Verhalten.
Ehe Sie jetzt irgendetwas machen, ehe Sie Ihren Einkaufsbummel fortsetzen, bringen Sie erst einmal Ruhe in den Hund.

Die beste aller Ideen ist es, sich irgendwo hinzusetzen und sich das geschäftige Treiben der anderen von außen anzusehen. Lassen Sie Ihren Hund beobachten, was so um ihn herum geschieht. Er muss all die Reize, die auf ihn einprasseln, erst einmal verarbeiten. Sie könnten eine Zeitung lesen oder gemütlich eine Wurst essen, egal, Hauptsache ausruhen.
Wenn sich Ihr Hund beruhigt hat und ansprechbar ist, machen Sie – immer noch auf einer Bank sitzend – die Schau-Übung. Für jeden Blickkontakt gibt es ein Superleckerchen. Oder Sie lassen ihn kleine Wurststückchen aus der Luft schnappen. Oder Sie wiederholen mal wieder die Zeitlupenübung: Bewegen Sie ein Leckerchen sehr, sehr langsam vor seinen Augen hin- und her, hoch und runter. Oder Sie legen ein Leckerchen zwischen die Füße Ihres Hundes, das er erst nehmen darf, wenn Sie es sagen. Seien Sie kreativ und sorgen Sie dafür, dass Ihr Hund die reizvolle Welt um sich herum vergisst und sein Hauptinteresse wieder Ihnen gilt.

Was mache ich, wenn mein Hund an der Leine schreit, fiept und zerrt? Auch jetzt gilt: immer die Ruhe bewahren. Lassen Sie die Leine fallen und ignorieren Sie ihn, so lange er sich so verrückt verhält. Sobald er ruhig ist und Sie ansieht (nur dann!) loben und beachten Sie ihn. Dann darf es auch gerne ein Stückchen Wurst sein, mit dem er belohnt wird.
Ein häufiger Grund für die Nervosität unserer Hund in der Stadt sind aber nicht nur die fremden äußeren Einflüsse, sondern häufig auch – die Leine. Genauer gesagt ist es unsere Handhabung der Leine. Ständig wandert sie von der linken in die rechte Hand, mal tragen wir zwei Taschen, eine davon in der gleichen Hand, mit der wir auch die Leine festhalten und häufig straffen wir die Leine, weil wir gerade nach einem Kleiderbügel fassen, obwohl wir sie gar nicht straffen möchten.
Dies alles stresst unseren Hund zusätzlich. Dabei gibt es so eine einfache Lösung: wenn wir uns eine zwei Meter lange Kombileine umhängen, dann haben wir die Hände frei, bewegen nicht ständig die Leine, diese hat immer die gleiche Länge und unser Hund weiß zuverlässig, wo er laufen und wie weit er sich von uns entfernen kann. Und wenn er sich doch mal in die Leine wirft, weil er eine Taube sieht, dann wirft es Sie nicht um und Sie zerren ihn nicht zurück. Probieren Sie es aus, Sie und Ihr Hund werden begeistert sein.

Was wir auf dem Trainingsplatz, zu Hause, im Garten und im Wald üben, sollten wir dringend auch in der Stadt trainieren. Wir können nicht voraussetzen, dass unser Hund wie von Zauberhand alles, was er kann, auch in dieser aufregenden, mit Reizen überlasteten Stadtsituation, zeigt.
Deswegen sollten wir auch hier alle Grundkommandos wiederholen, den Hund mal kurz vor einem Geschäft ablegen, sich mit ihm in ein Straßencafé setzen oder in Ruhe durch die Straßen bummeln. Wir sollten – ist der Hund sehr abgelenkt – sogar seinen Namen noch ein Mal nachkonditionieren. Setzen Sie sich dazu auf eine Bank inmitten des Trubels, holen Sie Ihre in weiser Voraussicht hierzu mitgebrachten Superleckerchen heraus, stellen mit diesen Blickkontakt mit Ihrem Hund her, nennen seinen Namen und geben ihm gleichzeitig das Leckerchen. Dies wiederholen Sie einige Male. Ist Ihr Hund nicht in der Lage, Ihnen zu folgen, sollten Sie sich eine ruhigere Ecke für diese Übung suchen. Sie werden sehen, dass sich gerade in der Stadt viele Hunde ausgezeichnet benehmen können. Sie sind eben Stadthunde, an den Trubel gewöhnt und ausgestattet mit einem guten Nervenkostüm. Damit sind sie hervorragende Trainingspartner für Hundebegegnungen. Nutzen Sie die Gelegenheit und bringen Sie Ihrem Hund bei, dass man auch in einer so extremen, reizbelasteten Situation ruhig bleiben kann.

Hatte Ihr Hund bei einem Stadtbesuch besonders viel Stress, lassen Sie ihn danach direkt irgendwo frei laufen, damit er sich kurz austoben kann. Die meisten Hunde bauen Stress schnell und effektiv durch Rennen ab. Warten Sie nun einige Tage, ehe Sie ihn erneut mit in die Stadt nehmen, wiederholen Sie diese Besuche jedoch regelmäßig. Nur so kann sich Ihr Hund an all die Eindrücke gewöhnen, die ihm vielleicht anfangs Probleme bereiten.


Herzliche Grüße
Ihre Martina Nau
und das Baak-Dogwalker-Team

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